An der Haltestelle: Dein Stolz ist Deine Fahrkarte durchs Leben, sagst Du und siehst mir dabei nicht in die Augen. Es gäbe gewisse Grenzen, sagst Du und scharrst mit der Stiefelspitze umher. Niemand könne von Dir verlangen, das noch länger mitzumachen, wisperst Du, und Dein Lispeln ist so süß. Es kann doch nicht sein, dass eine Frau einem Mann so verfallen ist, schluchzt Du aus gesicherter Ratlosigkeit. Deine Nase rotzt, und Du wischt großflächig drüber. Ich müsse das doch auch merken, das sei nicht normal, und ich antworte Dir nicht. Ist halt so, was soll ich machen. Ein Bus kommt vorbei, ist nicht unsere Linie, aber die große Pfütze gibt er Dir voll. Über Deinen zuvor noch hellblauen Mantel. In dem Du nun heulst. Und die Nase rotzt. Du schmierst wieder drüber. Dann setzt Regen ein. Ich nehme mir ein Taxi, klappe den Schirm zu und fahre nach Hause.
Beim Mittagessen: Einen Menschen darf man nicht nur nach seinem Äußeren beurteilen, sagst Du und schiebst Dir den nächsten Bissen ein. Der Braten sei der zarteste nicht, sagst Du und ziehst die Stirn kraus einen Moment. Die Stieglers würden heute noch Möbel bekommen, hoffentlich werde das Gerumpel nicht so laut, sagst Du und schickst ein diplomatisches Naja hinterher. Und eine ordentliche Gabel von dem leckeren Sauerkraut. Wir sollten mal wieder ins Kino, so wie früher, weihst Du mich in Deine Überlegungen ein, nicht heute, nein, das hättest Du eher wissen müssen, aber die Tage doch bestimmt einmal. Dann erwischst Du eine fette Scheibe und gibst Dich ihr hin. Ich schenke Dir Wasser nach, weil Dein Glas fast halb leer ist und weil ich Dich liebe, natürlich.
Im Supermarkt: Das hast Du auch schon billiger gesehen, sagst Du, tust wie beleidigt und rufst mich zum Weitergehen herbei. Du schwitzt in Deinem Mantel, der Laden ist beheizt, und die roten Bäckchen auf neonheller Haut stehen Dir gut. Ich schiebe Deinen Wagen. Der ist bisher leer, Du prüfst die Angebote sehr genau. An den Haarfärbemitteln gehen wir schweigend vorüber, zu frisch ist die letzte Blamage. Dabei hatten wir eine Stunde lang ausgesucht. Aber jetzt trägst Du ja Mützen. Eine ärgert Dich gerade mit ihren aufgeregten Bommeln, doch das merkst Du nicht. Einkaufen ist eben Konzentrationssache. Das weiß ich von Dir. Und drum will ich auch nicht länger stören.
Im Krankenhaus: Du wirst den Krebs schon noch besiegen, sagst Du, Du lässt mich nicht allein, und ich sehe Dir Dein Mitleid an. Du streichst mir über die Wange, für eine kleine Ewigkeit, dann fragst Du nach dem Hund.
Eines Morgens danach: Nichts ist mehr, wie es einmal war.
Ute: Ob ich denn nicht gerne hier bleiben würde, fragt sie, und ich lasse es unbeantwortet. Es sei doch alles so wunderbar und romantisch hier, besteht sie drauf und dran, der Ruhe die Stille zu nehmen. Wenn wir es uns leisten könnten, ob ich dann nicht wolle, dass wir an so einem Ort einfach zu bleiben vermochten; auch wenn man es dann vielleicht gar nicht tut, aber diese Freiheit doch wenigstens hätte. Wir können es uns leisten, sage ich ihr Bescheid, und also schweigt sie. Eine Weile stehen wir noch im Sonnenuntergang und schauen übers Meer. Meine Neue und ich.
Beim Mittagessen: Einen Menschen darf man nicht nur nach seinem Äußeren beurteilen, sagst Du und schiebst Dir den nächsten Bissen ein. Der Braten sei der zarteste nicht, sagst Du und ziehst die Stirn kraus einen Moment. Die Stieglers würden heute noch Möbel bekommen, hoffentlich werde das Gerumpel nicht so laut, sagst Du und schickst ein diplomatisches Naja hinterher. Und eine ordentliche Gabel von dem leckeren Sauerkraut. Wir sollten mal wieder ins Kino, so wie früher, weihst Du mich in Deine Überlegungen ein, nicht heute, nein, das hättest Du eher wissen müssen, aber die Tage doch bestimmt einmal. Dann erwischst Du eine fette Scheibe und gibst Dich ihr hin. Ich schenke Dir Wasser nach, weil Dein Glas fast halb leer ist und weil ich Dich liebe, natürlich.
Im Supermarkt: Das hast Du auch schon billiger gesehen, sagst Du, tust wie beleidigt und rufst mich zum Weitergehen herbei. Du schwitzt in Deinem Mantel, der Laden ist beheizt, und die roten Bäckchen auf neonheller Haut stehen Dir gut. Ich schiebe Deinen Wagen. Der ist bisher leer, Du prüfst die Angebote sehr genau. An den Haarfärbemitteln gehen wir schweigend vorüber, zu frisch ist die letzte Blamage. Dabei hatten wir eine Stunde lang ausgesucht. Aber jetzt trägst Du ja Mützen. Eine ärgert Dich gerade mit ihren aufgeregten Bommeln, doch das merkst Du nicht. Einkaufen ist eben Konzentrationssache. Das weiß ich von Dir. Und drum will ich auch nicht länger stören.
Im Krankenhaus: Du wirst den Krebs schon noch besiegen, sagst Du, Du lässt mich nicht allein, und ich sehe Dir Dein Mitleid an. Du streichst mir über die Wange, für eine kleine Ewigkeit, dann fragst Du nach dem Hund.
Eines Morgens danach: Nichts ist mehr, wie es einmal war.
Ute: Ob ich denn nicht gerne hier bleiben würde, fragt sie, und ich lasse es unbeantwortet. Es sei doch alles so wunderbar und romantisch hier, besteht sie drauf und dran, der Ruhe die Stille zu nehmen. Wenn wir es uns leisten könnten, ob ich dann nicht wolle, dass wir an so einem Ort einfach zu bleiben vermochten; auch wenn man es dann vielleicht gar nicht tut, aber diese Freiheit doch wenigstens hätte. Wir können es uns leisten, sage ich ihr Bescheid, und also schweigt sie. Eine Weile stehen wir noch im Sonnenuntergang und schauen übers Meer. Meine Neue und ich.